
Gott des Nationsaufbaus und der unsichtbaren Welt
Ōkuninushi ist eine der bedeutendsten Gottheiten der japanischen Mythologie und spielt sowohl im Kojiki als auch im Nihon Shoki eine zentrale Rolle. Er gilt als Anführer der irdischen Götter und ursprünglicher Herrscher von Ashihara no Nakatsukuni, dem üppigen irdischen Reich, und steht in enger Verbindung mit dem Sturmgott Susanoo, der als sein ferner Vorfahr oder Vater gilt.
In einer mythologischen Schlüsselepisode namens kuni-yuzuri verlangten die von Amaterasu angeführten Himmelsgottheiten, dass Ōkuninushi seine Herrschaft über das Land abgibt. Er stimmte zu und zog sich zurück, um im Gegenzug die unsichtbare Welt, das Kakuriyo, zu regieren. Dieses Narrativ wird häufig als Spiegelung der historischen Eingliederung der Provinz Izumo — heute Präfektur Shimane — in den Yamato-Staat interpretiert.
Ōkuninushi wird in Schreinen im gesamten Japan verehrt, wobei der Izumo-taisha in Shimane sein bedeutendstes Heiligtum ist. Er wird für Liebesverbindungen, Heilung und den Aufbau der Nation angerufen und ist der Vater zahlreicher göttlicher Nachkommen, darunter Kotoshironushi und Takeminakata. Vor der Meiji-Zeit wurde er im Rahmen des shinbutsu-shūgō-Systems auch mit der buddhistischen Gottheit Daikokuten synkretisiert.